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Winterruhe
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Die Winterruhe ist wichtig für Bartagamen, die dieses Ruhephase gerne in Anspruch nehmen, selbst wenn der Halter dies nicht einkalkuliert hat.



Dies hat mehrere Gründe. 

Zunächst ist die Winterruhe Voraussetzung für eine erfolgreiche Paarung. Vor allem aber erhöht sie die Lebenserwartung der Tiere. Dr. med. vet. Paul Schneller aus der Schweiz hat einige wichtige physiologische Punkte beschrieben: 

Zitat: 

Alle Reptilien haben eine sehr hohe Tendenz, Fette in der Leber einzulagern. Diese Notvorräte für schlechte Zeiten müssen regelmäßig auf- und abgebaut werden. Aufgebaut werden sie in der warmen Jahreszeit durch die intensive Fütterungsphase, und der Abbau findet während der Winterruhe statt. Findet dieser Fettabbau nicht statt, verfettet die Leber und ihre Leistungsfähigkeit nimmt zusehends ab. 

Da die Leber aber die zentrale Produktionsstätte von vielen wichtigen Stoffwechselprodukten ist, kann der ganze Organismus aus den Fugen geraten. 

1. Fettstoffwechsel und Hormone Viele Hormone sind fettlöslich. Deshalb spielt das Leberfett eine zentrale Rolle im Hormonstoffwechsel. Dies erklärt auch, weshalb der Hormonspiegel direkt durch die Winterruhe beeinflusst wird. Während dieser Zeit werden Körperfette abgebaut, und Hormone, welche für die Paarung und den Geburtsvorgang wichtig sind, freigesetzt. So erklärt sich auch der Umstand, dass die Nachzuchten bei Tieren mit Winterruhe erfolgreicher abläuft. 

2. Proteinstoffwechsel und Enzyme Proteine sind einerseits ein wesentlicher Nahrungsbestandteil, und andererseits besteht der Muskelapparat von Reptilien aus Proteinen. Damit Proteine überhaupt auf - und abgebaut werden können, benötigt der Körper Enzyme; so genannte Biokatalysatoren. Diese werden in der Leber produziert und von dort in die Blutbahn abgegeben. Eine Leber, die verfettet, produziert auch zu wenig Enzyme, was wiederum die Nahrungsverwertung und den Muskelaufbau der Tiere negativ beeinflusst. 

3. Zuckerstoffwechsel Zucker ist die Hauptenergiequelle der Reptilien. Zucker wird als Glykogen in der Leber gespeichert und über Leberenzymen in Glucose umgewandelt. Als Glucose steht der Zucker dem Körper dann zur Energiegewinnung zur Verfügung. Wird dieser Kreislauf durch eine verminderte Leistungsfähigkeit der Leber gestört, kann das Tier unter - oder überzuckert werden. Unterzuckert, weil die Speicherreserven (Glykogen) nicht ausreichend mobilisiert und in Glucose umgewandelt werden können. Und überzuckert, weil durch die Nahrung aufgenommenen Zuckereinheiten nicht ausreichend in die Leber eingelagert werden können.


Im späten Sommer, frühen Herbst sollte man unbedingt Kotproben von den Bartagamen abgeben, um danach noch ausreichend Zeit für eine evtl. Behandlung zu haben. Wie sollte man nun die Tiere selbst auf die Winterruhe vorbereiten? Zunächst stellt man fest, dass sich die Tiere zwischen September und Dezember ruhiger verhalten.

Dann wird es Zeit, die Vorbereitungsphase beginnen zu lassen. 

Das heißt im Einzelnen: 

1. Fütterung ca. 2 Wochen vor der eigentlichen Winterruhe einstellen, damit sich der Darm der Tiere noch vollständig entleeren kann. Kommen einem die Tiere insofern zuvor, dass sie sich von heute auf morgen verkriechen: Keine Panik! In der Regel überstehen die Tiere die Winterruhe auch dann gut, wenn der Darm nicht vollständig entleert wurde. Empfehlenswert ist dies natürlich trotzdem. U.U. kann die Entleerung durch ein warmes Bad angeregt werden. Da so ein Bad jedoch meist mit Stress für die Bartagamen verbunden ist, würde ich diesen Schritt nicht ohne Weiteres empfehlen. 

2. Die Beleuchtungszeiten und -stärken werden langsam innerhalb von 1-2 Wochen heruntergefahren, so dass sowohl Lichtzeiten als auch Temperaturen kontinuierlich sinken. Nach Ablauf dieser Phase kann das Licht ruhig ganz abgeschaltet werden. Wichtig ist nur, dass die Tiere einen Tage-Nacht-Rhythmus mitbekommen. 

Steht das Terrarium also in einem von Tageslicht beleuchteten Raum, benötigt man keine Lampen im Terrarium. Sehr wichtig sind im Zusammenhang mit der Winterruhe die Temperaturen. Optimalerweise sollten sie zwischen 12 und 16°C liegen, um den Stoffwechsel ausreichend zu reduzieren. Dies ist äußerst wichtig, denn ist es während der Winterruhe zu warm, entstehen zu viele Stoffwechselprodukte, die eventuell durch Leber und Nieren nicht ausreichend entsorgt werden können. 

Das nach der Winterruhe benötigte Glukosedepot kann ausgezehrt sein (vgl. oben). Nun stehen viele Halter vor dem Problem, dass sie diese Temperaturen in der Wohnung nicht gewährleisten können. Hier bietet es sich an, die Tiere im Keller überwintern zu lassen z.B. im Quarantäneterrarium. 

Eine weitere Möglichkeit hat Dieter Humbel beschrieben: Die Schlupfbox (http://www.dihu.ch/tiere/pogona/tipps/tipps.htm). 

Die Winterruhe sollte mindestens 3 Monate dauern. Auch 4 bis 5 Monate sind nicht besorgniserregend. In keinem Fall sollte der Halter seine Tiere verfrüht aus der Ruhe reißen. Während der Winterruhe schlafen die Tiere die meiste Zeit, jedoch nicht nur. Manche wandern auch von Zeit zu Zeit im Terrarium herum oder sind phasenweise einfach wach. 

Wasser kann, muss m.E. jedoch nicht angeboten werden. In der Regel merkt man, wenn die Tiere wieder langsam munter werden. Zwar bewegen sie sich aufgrund der geringen Temperaturen nicht viel, aber der verschlafene Blick während der Ruhe ist nun deutlich klarer auf aufgeweckter. Nun ist es Zeit, die Beleuchtung wieder langsam innerhalb von 1-2 Wochen nach oben zu fahren. Erst wenn dies vollständig geschehen ist und die Tiere wieder aktiv sind, sollte Futter abgeboten werden, in keinem Fall davor, auch wenn es verlockend ist. Der Stoffwechsel muss erst wieder vollständig aktiv sein. 

Übrigens: Es existieren einige Märchen, z.B. dass im ersten Jahr keine Winterruhe stattfinden darf, die Tiere mindestens 100 Gramm wiegen müssen o.ä. Dies ist falsch. Gesunde Tiere können auch schon mit 4 Monaten problemlos überwintern. Bei jüngeren Tieren empfiehlt sich eine "sanfte" Ruhe mit niedrigeren Temperaturen und einer Beleuchtungszeit von nur mehr 8 Stunden am Tag.